Prof. Dr. Ines Bose

Sprechwissenschaft


1. Warum wollen Sie mit Schülern reden?

Weil ich denke, dass wir in unserer Gesellschaft wieder stärker und besser miteinander reden und vor allem einander zuhören sollten: Das gilt für Menschen unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen, unterschiedlicher Herkunft und politischer Ausrichtung. Schülern und Schülerinnen möchte ich von meinen beruflichen Erfahrungen erzählen, vor allem aber bin ich neugierig darauf, welche Ideen und Wünsche sie für unsere Zukunft haben. Ich bin sicher, dass der Austausch für beide Seiten anregend sein wird! 

2. Warum sind Sie Wissenschaftlerin geworden?

    Weil ich schon immer neugierig war und Dingen und Erscheinungen auf den Grund gehen wollte. Im Studium habe ich mich mit dem Sprechen und Zuhören beschäftigt. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen: Warum erleben wir manche Gespräche als gelungen, andere aber nicht? Wie können wir komplexe Inhalte verständlich formulieren? Wie lassen sich Meinungsverschiedenheiten ohne Feindseligkeit austragen? Wie erwerben Kinder die Fähigkeit, Gespräche zu führen – wie wichtig ist dabei das kindliche Spiel? Was zeichnet eine gute Beratung aus, z. B. in der Apotheke oder auf dem Arbeitsamt? 

    Wichtig ist mir, wissenschaftliche Erkenntnisse auch umzusetzen: Wie kann gelingende, konstruktive Kommunikation ganz konkret gefördert werden?

    3. Wofür brauchen wir Wissenschaft?

      Wissenschaft hilft uns, die Welt und ihre Veränderung besser zu begreifen und zu gestalten. Sie bildet die Basis für neue Technologien, Produkte und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Wir stehen vor komplexen Problemen in Verbindung z. B. mit Pandemien, dem Medien- und Kommunkationswandel oder der Verschiebung von politischen Bündnissen. Diese Probleme lassen sich nur lösen, wenn wir sie zunächst sorgfältig und systematisch analysieren. Dadurch können wir Ursachen und Zusammenhänge erkennen und fundierte, passgenaue Lösungsideen entwickeln. Wichtig dafür sind die Fähigkeit zum kritischen Denken und der offene Austausch unter Fachkollegen ebenso wie mit der Öffentlichkeit.

      4. Wofür interessieren Sie sich außer für Wissenschaft?

        Für alles Mögliche, zum Beispiel fürs Nähen, Tanzen und Fahrradfahren. Und fürs Verreisen – sowohl in die Nähe als auch Ferne.

        5. Wenn Sie Bundeskanzlerin wären, was würden Sie tun?

          Ich würde versuchen, gemeinsam mit anderen zu regieren, und zwar kooperativ-konstruktiv. Ich würde auf die Beratung von Fachleuten aus vielen gesellschaftlichen Bereichen setzen. Ich würde unter anderem auf einen freien Zugang zu Bildung für alle hinarbeiten – mit einem vernünftigen Betreuungsschlüssel, der eine intensive Förderung vom Kleinkindalter an ermöglicht. Gezielte Investitionen in die Bildung sind die Voraussetzung dafür, dass Deutschland die enormen Herausforderungen der Zukunft meistern kann. 

          6. Welchen Rat würden Sie Schülern für die Berufswahl geben?

          Sie müssen damit rechnen, vermutlich verschiedene berufliche Tätigkeiten im Laufe des Arbeitslebens auszuüben. Deshalb sollten sie sich für die Ausbildung möglichst einen Beruf aussuchen, auf den sie Lust haben und der sie fordert.