Prof. Dr. Johanna Mierendorff

Erziehungswissenschaft


1. Warum wollen Sie mit Schülern reden?

In meiner Forschung bin ich interessiert an den Themen Kindheit und Kindertagesbetreuung im Wandel sowie Kinderarmut. Es ist wichtig in diesem Themenfeld nicht nur alte Hasen zu befragen, sondern diejenigen, die noch nahe an Kindheit und Jugend dran sind.

Welche Sorgen haben junge Menschen in Bezug auf das Kindsein, das Erwachsenwerden und mögliche Bildungswege? Was erwarten sie in Bezug auf die Ausbildung im Sozial- und Pflegebereich?

2. Warum sind Sie Wissenschaftler geworden?
Eigentlich war das nicht mein Plan. Meine Eltern wollten, dass ich Erzieherin werde. Bereits als Jugendliche habe ich Jugendgruppen geleitet. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen haben wir Nachmittage und Ferienfahrten organisiert (ohne Erwachsene!). Seit dieser Zeit haben mich Fragen der Erziehung und des manchmal nicht einfachen Aufwachsens von Kindern interessiert. So habe ich den Mut gefunden, zu studieren. Dozentinnen an der Uni und Wissenschaftlerinnen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung haben mich dann am Ende des Studiums ermuntert nicht aufzuhören, sondern wissenschaftlich weiterzuarbeiten. Meine kleine Studie im Rahmen der Abschlussarbeit hat mir so viel Spaß bereitet, dass ich weiter wissenschaftlich arbeiten wollte.

3. Wofür brauchen wir Wissenschaft?
Wir brauchen die Bildungs- und Erziehungswissenschaft verstehen zu können, wie sich Kinder entwickeln, wie Familien zusammenleben und ihren Alltag gestalten, wie Erziehung unter heutigen Bedingungen überhaupt möglich wird. Vor allem aber, wie man aus Fehlern lernen kann. Wir Erziehungswissenschaftler setzen uns mit einer reflexiven Pädagogik auseinander, die zum einen Bedingungen des Aufwachsens, und zum anderen das eigene pädagogische Handeln und dessen Konsequenzen in den Blick nimmt.

4. Wofür interessieren Sie sich außer für Wissenschaft?
Tagelanges Wandern im Gebirge und Hörspiele hören.

5. Wenn Sie Bundeskanzler wären, was würden Sie tun?
Mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen direkt ins Gespräch kommen, um deren Perspektive zu verstehen, und daraus wirklich Schlüsse für politisches Handeln zu ziehen.

6. Welchen Rat würden Sie Schülern für die Berufswahl geben?
Der Beruf sollte einen über viele Jahre tragen. Aber nicht immer ist die Ausbildung möglich, die man sich wünscht. Was dann? Dann entweder das Beste daraus machen oder aber den Mut haben, was Neues zu suchen.